Bookseer Eine Lesung

Für den, der zwischen zwei Anrufen im Treppenhaus steht

Achtzehn Uhr vierzig, das Treppenhaus im zweiten Stock, das Licht ist schon zweimal ausgegangen. In der einen Hand die Tasche mit den Medikamenten aus der Apotheke, in der anderen das Telefon, auf dem der Name Ihrer Schwester steht. Sie gehen nicht ran. Das Gespräch dauert elf Minuten, und die elf Minuten haben Sie heute nicht mehr. Oben läuft der Fernseher zu laut, Sie hören ihn bis hier herunter.

Der alte König in seinem Exil

Arno Geiger · 2011

Geiger schreibt über den Vater, dessen Demenz die Familie jahrelang für Unwillen hielt. Irgendwann hört er auf, gegen das Vergessen anzureden, und folgt dem Vater in dessen Land. Nur: Geigers Vater ist meist freundlich. Wer einen zornigen, misstrauischen Kranken pflegt, wird die Sanftmut dieses Buches als Ungerechtigkeit empfinden.

Vom Aufstehen

Helga Schubert · 2021

Schubert hat ihre Mutter bis über deren hundertstes Lebensjahr hinaus versorgt, eine Mutter, die sie nicht liebte und die ihr das gesagt hat. Sie erzählt das in kurzen Geschichten, jede für sich abgeschlossen, ohne Anklage und ohne die Versöhnung, die am Ende solcher Bücher sonst pflichtschuldig eintritt. Das Buch behauptet nirgends, Pflege sei Liebe. Es behauptet auch das Gegenteil nicht. Es zeigt eine Frau, die morgens aufsteht und tut, was zu tun ist, und die das Recht behält, dabei zu empfinden, was sie empfindet. Wer sich schämt, weil zwischen Terminen und Rezepten hin und wieder ein kalter Gedanke steht, findet hier keinen Trost. Er findet Gesellschaft.

Ein sanfter Tod

Simone de Beauvoir · 1964

Sechs Wochen Klinik nach einem gebrochenen Oberschenkelhals, eine Mutter, die nicht erfahren soll, was die Ärzte gefunden haben, und eine Tochter, die am Bett sitzt und dabei alles über die eigene Härte lernt.

Beantworten Sie die Fragen und lassen Sie sich vom Orakel lesen