Drei Bücher treffen ein, jedes mit einem Grund, der an dich gerichtet ist. Kein Klappentext: eine Diagnose und eine Verordnung.
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Der Spiegel
Was vom Tage übrig blieb
Kazuo Ishiguro · 1989
Stevens hat dreißig Jahre lang einem Haus vollkommen gedient und dessen Glanz für seinen eigenen gehalten, und Ishiguro lässt ihn so ruhig erzählen, dass die Wahrheit hereinzieht wie Wetter. Am Ende sagt ihm ein Fremder auf einem Pier, der Abend sei die beste Zeit des Tages, und die Lichter gehen an. Du wirst dieses Buch zuklappen und genau wissen, welche Treue du hinter dir lässt, ohne einen Tropfen Bitterkeit über die Jahre, die es gebraucht hat.
Der Weg
Der große Trip
Cheryl Strayed · 2012
Eine Frau ohne jede Erfahrung schnürt Stiefel, die nicht passen, wuchtet einen Rucksack auf den Rücken, so überladen, dass sie ihn Monster tauft, und geht tausend Meilen weit in ein Leben hinein, das sie aushält. Das Schwerste hast du bereits getan: du hast zugegeben, dass das alte Leben vorbei ist. Was du jetzt brauchst, ist kein Plan, sondern der Beweis, dass ein Mensch alles Falsche tragen und trotzdem weitergehen kann. Strayed liefert ihn Meile um Meile, komisch und schonungslos. Lies sie in der Woche des Aufbruchs. Das Gehen fühlt sich danach weniger wie Fallen an.
Das Fenster
Siddhartha
Hermann Hesse · 1922
Ein Brahmanensohn verlässt Lehre um Lehre, wird Kaufmann, Liebender, Spieler, und findet zuletzt einen Fährmann, der ihm nur eines beibringt: dem Fluss zuzuhören. Der Fluss, sagt Vasudeva, ist an allen Stellen zugleich, an der Quelle wie an der Mündung. Für jemanden, der gerade das Ufer wechselt, ist das keine Weisheitsformel, sondern eine Entlastung: nichts von dem, was du warst, geht verloren, es fließt nur weiter. Hesse steht in jedem deutschen Bücherregal, und doch liest man ihn im richtigen Moment wie zum ersten Mal. Ein schmales Buch für einen langen Abend.